Verordnung über die Berufsausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb
Eingangsformel
Auf Grund des § 25 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 des Berufsbildungsgesetzes vom 14. August 1969 (BGBl. I S. 1112), der zuletzt durch Artikel 212 Nr. 2 der Verordnung vom 29. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2785) geändert worden ist, verordnen das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung:
§ 1 Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes
Der Ausbildungsberuf Fachkraft im Fahrbetrieb wird staatlich anerkannt.
§ 2 Ausbildungsdauer
Die Ausbildung dauert drei Jahre.
§ 3 Ausbildungsberufsbild
- 1.
- Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht;
- 2.
- Organisation des Ausbildungsbetriebes;
- 3.
- Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit;
- 4.
- Umweltschutz;
- 5.
- Arbeitsorganisation, Informations- und Kommunikationssysteme:
- 5.1
- Arbeitsorganisation,
- 5.2
- Informations- und Kommunikationssysteme;
- 6.
- Qualitätsmanagement;
- 7.
- Verkehrsträger und Verkehrsmittel im Personenverkehr:
- 7.1
- Verkehrsmarkt,
- 7.2
- Einsatzfelder von Verkehrsmitteln nach dem Personenbeförderungsgesetz;
- 8.
- Marketing und Vertrieb:
- 8.1
- Marketing,
- 8.2
- Marktbeobachtung und Verkehrsanalyse,
- 8.3
- Produktpolitik,
- 8.4
- Verkauf, Tarif- und Vertriebssysteme,
- 8.5
- Öffentlichkeitsarbeit und Werbung;
- 9.
- Umgang mit Kunden:
- 9.1
- Kundenorientierte Kommunikation,
- 9.2
- Anwenden einer Fremdsprache bei Fachaufgaben,
- 9.3
- Beschwerdemanagement,
- 9.4
- Umgang mit konfliktträchtigen Situationen;
- 10.
- Kaufmännische Betriebsführung:
- 10.1
- Wirtschaftlichkeit, Kosten und Erträge,
- 10.2
- Geschäftsvorgänge,
- 10.3
- Beschaffung;
- 11.
- Planung und Disposition:
- 11.1
- Fahr- und Betriebsplanung,
- 11.2
- Disposition des Fahrbetriebes;
- 12.
- Betriebssicherheit und Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge und Anlagen:
- 12.1
- Fahrzeugtechnik,
- 12.2
- Verkehrsanlagen;
- 13.
- Verkehrssicherheit und Führen von Fahrzeugen im öffentlichen Verkehrsraum:
- 13.1
- Fahrdynamik,
- 13.2
- Kundenorientiertes Fahren;
- 14.
- Rechtsvorschriften im Verkehr;
- 15.
- Einweisung in den Fahrbetrieb:
- 15.1
- Betriebsleitsysteme und Kommunikationseinrichtungen,
- 15.2
- Rahmen- und örtliche Dienstanweisungen;
- 16.
- Umgang mit Störungen im Fahrbetrieb:
- 16.1
- Unregelmäßigkeiten im Fahrbetrieb durch Störungen,
- 16.2
- Verhalten bei Unfällen und Zwischenfällen;
- 17.
- Fitness im Fahrdienst, Stressbewältigung.
§ 4 Ausbildungsrahmenplan
(1) Die in § 3 genannten Fertigkeiten und Kenntnisse sollen nach der in der Anlage enthaltenen Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Berufsausbildung (Ausbildungsrahmenplan) vermittelt werden. Eine vom Ausbildungsrahmenplan abweichende sachliche und zeitliche Gliederung des Ausbildungsinhaltes ist insbesondere zulässig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.
(2) Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten und Kenntnisse sollen so vermittelt werden, dass der Auszubildende zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Sinne des § 1 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes befähigt wird, die insbesondere selbständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren einschließt. Diese Befähigung ist auch in den Prüfungen nach den §§ 7 und 8 nachzuweisen.
§ 5 Ausbildungsplan
Der Ausbildende hat unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplans für den Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.
§ 6 Berichtsheft
Der Auszubildende hat ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Ihm ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft während der Ausbildungszeit zu führen. Der Ausbildende hat das Berichtsheft regelmäßig durchzusehen.
§ 7 Zwischenprüfung
(1) Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenprüfung durchzuführen. Sie soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.
(2) Die Zwischenprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage zu dieser Verordnung für die ersten 18 Monate aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht entsprechend dem Rahmenlehrplan zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
- 1.
- Fahrzeugtechnik sowie Kontrollieren, Warten und Pflegen von Fahrzeugen,
- 2.
- Marketing und Vertrieb einschließlich Durchführen eines Kundengespräches; Ermitteln von Verkehrsverbindungen unter Berücksichtigung vor- und nachgelagerter Verkehrsträger, Ermitteln von Fahrpreisen sowie Verkaufspreisen sonstiger Dienstleistungen,
- 3.
- Bearbeiten von Geschäftsprozessen.
§ 8 Abschlussprüfung
(1) Die Abschlussprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
Die praktische Aufgabe I umfasst das Führen eines Fahrzeuges der Klasse D mit einer Mindestlänge von 11,80 Meter auf öffentlichen Straßen oder einer Straßen- oder U-Bahn im Strecken- und Liniennetz des öffentlichen Personennahverkehrs sowie weitere Tätigkeiten im Fahrdienst.
Für die Tätigkeiten im Fahrdienst kommen insbesondere in Betracht:
- 1.
- Vor- und Nachbereitung einer Beförderung,
- 2.
- Maßnahmen bei besonderen Betriebsbedingungen und Störungen,
- 3.
- Umgang mit Kunden.
Bei der Aufgabenstellung ist das Streckennetz sowie das Verkehrsmittel des Ausbildungsbetriebes zu berücksichtigen, auf dem der Prüfling schwerpunktmäßig ausgebildet wurde.
Für die praktischen Aufgaben II kommen insbesondere Aufgaben aus folgenden Gebieten in Betracht:
- 1.
- Planung und Disposition des Fahrbetriebes,
- 2.
- Beschaffung, Verkauf und Vertrieb von Dienstleistungen einschließlich vor- und nachgelagerter Unternehmen sowie Bearbeitung von Kundeneingaben,
- 3.
- Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.
Im Prüfungsbereich Planung und Disposition des Fahrbetriebes soll der Prüfling zeigen, dass er Fahrplanunterlagen anwenden, den Personal- und Fahrzeugeinsatz für den Linienverkehr unter Beachtung der betrieblichen, tarifvertraglichen und gesetzlichen Bestimmungen planen und steuern sowie Maßnahmen zur Steigerung und Erhaltung der Beförderungsqualität anwenden kann.
Es kommen Aufgaben insbesondere aus folgenden Gebieten in Betracht:
- 1.
- im Prüfungsbereich Personenverkehr und Beförderungsleistungen:
- a)
- Rechtsvorschriften,
- b)
- Erkennen von Kundenbedürfnissen und kundenorientierte Gestaltung des Fahrbetriebes,
- c)
- Analyse von Kriterien für die Einrichtung und Ausgestaltung eines Linienverkehrs,
- d)
- Ermitteln von Verbindungen und Fahrpreisen,
- e)
- Ausarbeiten und Kalkulieren von Sonderverkehren,
- f)
- Unfallverhütung und Verhalten bei Unfällen;
- 2.
- im Prüfungsbereich Planung und Disposition des Fahrbetriebes:
- a)
- Aufstellen von Fahr-, Umlauf- und Dienstplänen,
- b)
- Personal- und Fahrzeugbedarf im Linien- und Sonderverkehr,
- c)
- Einsatz der Informationstechnik im Fahrbetrieb;
- 3.
- im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde:allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge aus der Berufs- und Arbeitswelt.
| 1. | im Prüfungsbereich Personenverkehr und Beförderungsleistungen | 90 Minuten, |
| 2. | im Prüfungsbereich Planung und Disposition des Fahrbetriebes | 90 Minuten, |
| 3. | im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde | 60 Minuten. |
(5) Der schriftliche Teil der Prüfung ist auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einzelnen Prüfungsbereichen durch eine mündliche Prüfung von höchstens 15 Minuten Dauer zu ergänzen, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für die mündlich geprüften Prüfungsbereiche sind die jeweiligen bisherigen Ergebnisse und die entsprechenden Ergebnisse der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 zu gewichten.
| 1. | Prüfungsbereich Personenverkehr und Beförderungsleistungen | 40 Prozent, |
| 2. | Prüfungsbereich Planung und Disposition des Fahrbetriebes | 40 Prozent, |
| 3. | Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde | 20 Prozent. |
(7) Die Prüfung ist bestanden, wenn jeweils im praktischen und im schriftlichen Teil der Prüfung sowie innerhalb des praktischen Teils der Prüfung in der praktischen Aufgabe I mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind. Werden die Prüfungsleistungen in den praktischen Aufgaben II insgesamt oder in einem der schriftlichen Prüfungsbereiche mit ungenügend bewertet, so ist die Prüfung nicht bestanden.
§ 9 Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. August 2002 in Kraft.
Anlage (zu § 4 Abs. 1) Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb
| Lfd. Nr. | Teil des Ausbildungsberufsbildes | Fertigkeiten und Kenntnisse, die unter Einbeziehung selbständigen Planens, Durchführens und Kontrollierens zu vermitteln sind | Zeitlicher Richtwert in Wochen im | |
| 1.-18. Monat | 19.-36. Monat | |||
| 1 | 2 | 3 | 4 | |
| 1 | Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht (§ 3 Nr. 1) |
| während der gesamten Ausbildung zu vermitteln | |
| 2 | Organisation des Ausbildungsbetriebes (§ 3 Nr. 2) |
| ||
| 3 | Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (§ 3 Nr. 3) |
| ||
| 4 | Umweltschutz (§ 3 Nr. 4) | Zur Vermeidung betriebsbedingter Umweltbelastungen im beruflichen Einwirkungsbereich beitragen, insbesondere
| ||
| 5 | Arbeitsorganisation, Informations- und Kommunikationssysteme (§ 3 Nr. 5) | |||
| 5.1 | Arbeitsorganisation (§ 3 Nr. 5.1) |
| 3*) | |
| 5.2 | Informations- und Kommunikationssysteme (§ 3 Nr. 5.2) |
| 4 | |
| 6 | Qualitätsmanagement (§ 3 Nr. 6) |
| 4*) | |
| 7 | Verkehrsträger und Verkehrsmittel im Personenverkehr (§ 3 Nr. 7 | |||
| 7.1 | Verkehrsmarkt (§ 3 Nr. 7.1) |
| 3 | |
| 7.2 | Einsatzfelder von Verkehrsmitteln nach dem Personenbeförderungsgesetz (§ 3 Nr. 7.2) |
| 2 | |
| 2 | |||
| 8 | Marketing und Vertrieb (§ 3 Nr. 8) | |||
| 8.1 | Marketing (§ 3 Nr. 8.1) |
| 3 | |
| 8.2 | Marktbeobachtung und Verkehrsanalyse (§ 3 Nr. 8.2) |
| 3 | |
| 8.3 | Produktpolitik (§ 3 Nr. 8.3) |
| 2 | |
| 8.4 | Verkauf, Tarif- und Vertriebssysteme (§ 3 Nr. 8.4) |
| 7 | |
| 8.5 | Öffentlichkeitsarbeit und Werbung (§ 3 Nr. 8.5) |
| 3 | |
| 9 | Umgang mit Kunden (§ 3 Nr. 9) | |||
| 9.1 | Kundenorientierte Kommunikation (§ 3 Nr. 9.1) |
| 6 | |
| 9.2 | Anwenden einer Fremdsprache bei Fachaufgaben (§ 3 Nr. 9.2) |
| 3*) | |
| 9.3 | Beschwerdemanagement (§ 3 Nr. 9.3) |
| 3 | |
| 9.4 | Umgang mit konfliktträchtigen Situationen (§ 3 Nr. 9.4) |
| 4 | |
| 10 | Kaufmännische Betriebsführung (§ 3 Nr. 10) | |||
| 10.1 | Wirtschaftlichkeit, Kosten und Erträge (§ 3 Nr. 10.1) |
| 4 | |
| 10.2 | Geschäftsvorgänge (§ 3 Nr. 10.2) |
| 5 | |
| 10.3 | Beschaffung (§ 3 Nr. 10.3) |
| 4 | |
| 11 | Planung und Disposition des Fahrbetriebes (§ 3 Nr. 11) | |||
| 11.1 | Fahr- und Betriebsplanung (§ 3 Nr. 11.1) |
| 4 | |
| 4 | |||
| 11.2 | Disposition des Fahrbetriebes (§ 3 Nr. 11.2) |
| 6 | |
| 12 | Betriebssicherheit und Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge und Anlagen (§ 3 Nr. 12) | |||
| 12.1 | Fahrzeugtechnik (§ 3 Nr. 12.1) |
| 7 | |
| 6 | |||
| 12.2 | Verkehrsanlagen (§ 3 Nr. 12.2) |
| 4 | |
| 13 | Verkehrssicherheit und Führen von Fahrzeugen im öffentlichen Verkehrsraum (§ 3 Nr. 13) | |||
| 13.1 | Fahrdynamik (§ 3 Nr. 13.1) |
| 18 | |
| 13.2 | Kundenorientiertes Fahren (§ 3 Nr. 13.2) |
| 7 | |
| 14 | Rechtsvorschriften im Verkehr (§ 3 Nr. 14) |
| 7 | |
| 15 | Einweisung in den Fahrbetrieb (§ 3 Nr. 15) | |||
| 15.1 | Betriebsleitsysteme und Kommunikationseinrichtungen (§ 3 Nr. 15.1) |
| 5 | |
| 15.2 | Rahmen- und örtliche Dienstanweisungen (§ 3 Nr. 15.2) |
| 10 | |
| 16 | Umgang mit Störungen im Fahrbetrieb (§ 3 Nr. 16) | |||
| 16.1 | Unregelmäßigkeiten im Fahrbetrieb durch Störungen (§ 3 Nr. 16.1) |
| 4 | |
| 16.2 | Verhalten bei Unfällen und Zwischenfällen (§ 3 Nr. 16.2) |
| 3 | |
| 3 | |||
| 17 | Fitness im Fahrdienst, Stressbewältigung (§ 3 Nr. 17) |
| 3 | |
|